Sind Online Pokergewinne steuerpflichtig?

In jüngster Vergangenheit verbreitete sich Unruhe in der Online Poker Gemeinschaft in Deutschland bezüglich der Urteile deutscher Gerichte: Professionelle und sogar semiprofessionelle Pokerspieler wurden dazu verdonnert, ihre Gewinne nachträglich zu versteuern. Trotzdem bleibt die rechtliche Lage in Deutschland, gerade was die Besteuerung von Gewinnen beim Pokern im Internet angeht, äußerst verzwickt.

Doch können Sie sich sicher fühlen? Ab wann fällt man unter die Steuerpflicht für Poker Spieler? Wie wird darüber entschieden, wer nun Steuern für seine Poker Gewinne bezahlen muss und wer nicht? Wie kommt das Finanzamt an die Informationen über Ihre Pokergewinne? Und wird sich in naher Zukunft etwas an der Gesetzeslage ändern?

Die wichtigsten Informationen zu Poker und Steuer auf einen Blick:

  • Poker gilt in Deutschland als Glücksspiel und ist somit eigentlich steuerfrei
  • Werden ein großer Teil der privaten Einkünfte mit dem Pokern bestritten, können Spieler nach der Auslegung einiger deutscher Finanzgerichte besteuert werden
  • Die Finanzgerichte Köln und Münster verurteilten die Poker Profis Eddy Scharf und Jens Vörtmann zu Steuernachzahlungen auf ihre On- und Offline Pokergewinne
  • Beide Spieler gingen in die Revision und die endgültige Entscheidungen des Bundesfinanzhofs wird noch 2015 erwartet
  • Lage zum Stand 2015: Hobbyspieler haben nichts zu befürchten, Profis können zur Kasse gebeten werden

Die aktuelle Rechtslage zum Thema Online Poker in Deutschland

Wie die gesamte Rechtslage zum Thema Glücksspiel im Internet ist auch die Gesetzgebung bezüglich Online Poker höchst verworren und undurchsichtig. Wird das beliebteste Kartenspiel der Welt um richtiges Geld gespielt, fällt es unter die Kategorie "Großes Casinospiel" und ist somit laut Glücksspielstaatsvertrag nur in Spielbanken mit staatlicher Lizenz erlaubt. Pokergewinne, die im staatlichen Casino erzielt werden, dürfen somit in voller Höhe behalten werden und müssen in der jährlichen Steuererklärung nicht angegeben werden.

Verzwickter verhält es sich beim Pokerspiel im Internet. Während in ganz Deutschland, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, auch für das Internet das staatliche Glücksspiel Monopol gilt, können Online Casinos aus dem EU Ausland ihr Glücksspielangebot legal überall in Deutschland offerieren. Das Pokerspiel bei ausländischen Anbietern ist deshalb in Deutschland nicht direkt reguliert und wird so gehandhabt wie in den deutschen Spielbanken: Poker ist ein Glücksspiel und die Gewinne aus diesem sind, genauso wie beim Lotto oder Roulette in der Spielbank, steuerfrei. Erst wenn die Glücksspielgewinne langfristig Zinsen abwerfen sollten, müsste man die Zinserträge beim Finanzamt versteuern.

Die Streitfälle Scharf und Vörtmann - Poker Profis sollen Steuern abführen

Anders verhält es sich nun im Umgang der Finanzämter mit Pokerprofis. Eigentlich sollten nach deutschem Recht, nach einem geltenden BFH Urteil vom 20.4.1999 (BStBl II 1999, 466), alle Erträge aus gesetzlich als Glücksspiel definierten Tätigkeiten steuerfrei sein, da sie durch keine nennenswerten geistigen Fähigkeiten erzielt werden und die Einkünfte vom Zufall abhingen. Lediglich für Vertragsspieler, sprich Pokerspieler, die von den großen Online Pokerseiten oder anderen Unternehmen unter Vertrag genommen werden und Zahlungen als Werbeträger erhalten, sollten Steuerabgaben auch auf ihre Poker Erträge verpflichtend werden.

Nun kam es jedoch zu aufsehenerregenden Prozessen gegen die beiden Pokerspieler Eddy Scharf und Jens Vörtmann. Beide Spieler wurden in unabhängigen Prozessen von den Finanzgerichten in Köln und Münster dazu verurteilt, nachträglich ihre Gewinne aus Pokerturnieren und beim Spiel auf Online Pokerseiten zu versteuern. Dabei wurden Rankings von externen Seiten herangezogen, die die gesamten Turnier-Einkünfte der bekannten Spieler schätzten. Bei Vörtmann sollen sogar die Cash Game Gewinne beim Online Poker geltend gemacht werden.

Gerade das Gericht in Köln traf dabei einige Feststellungen und eine Entscheidung, die nicht nur für das Steuerrecht relevant sein könnte. Denn beim Finanzgericht ist man der Auffassung, dass Eddy Scharf, der bei der Teilnahme an den relevanten Pokerturnieren immer noch hauptberuflich als Pilot tätig war, die Gewinne hauptsächlich deswegen eingefahren hat, weil er außergewöhnliche Fähigkeiten als Pokerspieler mitbringe, was ihm einen Vorteil verschaffe und was man an jahrelangen Erfolgen sehen könne.

Dabei beruft sich das Finanzgericht Köln auf ein BFH Urteil vom 16.9.1970 (BStBl II 1970, 865), das "reine" Glücksspiele mit den Beispielen Lotto, Toto oder Roulette definiert. Laut dem Kölner Richter sei Poker anders als diese Spiele zu behandeln, da man sich durch persönliche Fähigkeiten und Erfahrung einen Vorteil verschaffen könne. Dadurch würde Poker, gerade in der strategisch anspruchsvollen Texas Hold'em Variante, nicht mehr als Glücks- sondern als Geschicklichkeitsspiel gelten. Immerhin wird an anderer Stelle der deutschen Rechtsprechung Poker aber eindeutig als Glücksspiel definiert, was es dem Staat ermöglicht, das beliebte Kartenspiel exklusiv in von den Ländern betriebenen Casinos und Spielbanken anzubieten.

Während bei Eddy Scharf Einkommenssteuer auf Pokergewinne fällig wird, wenn der Profi auch in der nächsten Instanz vor dem Münchner Bundesfinanzhof das Nachsehen haben sollte, ging es beim etwas unbekannteren Poker Ass Jens Vörtmann um die Umsatzsteuer. Durch ein Video Interview wurden die Beamten auf den Spieler, der sich hauptsächlich auf das Pokerspiel im Internet konzentrierte, aufmerksam und führten eine Betriebsprüfung durch, auch wenn Vörtmann gar keinen Betrieb gemeldet hatte. Durch die Teilnahme an den Turnieren habe Vörtmann eine Leistung erbracht und wollte durch diese Geld einnehmen, was ihn zum Unternehmer mache und weshalb er dadurch unter die Umsatzsteuerpflicht falle. Vörtmann klagte wie Scharf vor dem zuständigen Finanzgericht gegen das Finanzamt und verlor. Auch der Fall des Münsteraners wird nun 2015 vor dem BFH in München weiterverhandelt.

Müssen auch Hobby Pokerspieler Steuern bezahlen?

Während deutsche Poker Profis, die regelmäßige Einkünfte mit dem Pokerspiel erwirtschaften, also in Zukunft damit rechnen müssen, vom Fiskus zur Kasse gebeten zu werden, sind Hobby Spieler nach wie vor auf der sicheren Seite. Ob man nun als Profi oder Freizeitspieler gilt, wird in der Regel an der Zeit gemessen, die man täglich zum Pokern aufwendet, ob noch andere Einkünfte erzielt werden und ob ernsthafte Gewinnabsichten verfolgt werden. In einem Fall vor dem Bundesfinanzhof wurde ein unbekannter Pokerspieler dazu verurteilt, auf seinen Poker Reingewinn in Höhe von 1500 Euro Einkommenssteuer nachträglich abzuführen, weil er über einen längeren Zeitraum sechs Stunden am Tag im Internet gepokert hatte.

Möchten Sie als Hobby Spieler auf Nummer sicher gehen, sollten Sie vermeiden, irgendwo im Internet Angaben über Ihre Cash Game Erträge oder Turniergewinne zu machen. Doch selbst wenn Sie diesbezüglich sehr vorsichtig sind, kann es passieren, dass Ihre Bank, bei regelmäßigen Zahlungseingängen von Glücksspiel Seiten, eine Geldwäscheanzeige gegen Sie vornimmt, was Sie letztendlich in den Fokus des Finanzamtes rückt. Gerade wenn Sie sehr viel Online Poker spielen und auch regelmäßig Gewinne auszahlen lassen, sollten Sie Nachweise über Ihre Aufwendungen, wie Turnier Buy-Ins, Verluste und relevante Rechnungen aufbewahren. Diese könnten Sie im Ernstfall nämlich nachträglich geltend machen.

Doch wenn Sie einem anderen, geregelten Arbeitsverhältnis nachgehen und keine mediale Präsenz bezüglich Ihrer Poker Karriere haben, brauchen Sie sich überhaupt keine Sorgen zu machen. Selbst die Gerichtsurteile der Finanzgerichte Köln und Münster, die die Poker Profis Scharf und Vörtmann schuldig gesprochen haben, beschreiben die Gewinne von Hobby Spielern als "eher zufällig" und bestätigen die Steuerfreiheit der Poker Erträge von Hobby Spielern.

Ein Ausblick - Wie sieht die Zukunft aus?

Ähnlich verworren wie die gesamte Gesetzeslage zum Thema Glücksspiel im Interne, ist auch die heutige Situation, was die Besteuerung von Poker Gewinnen angeht. Doch während eine Lösung der widersprüchlichen Gesetzgebung von Deutschland und der Europäischen Union in puncto Online Glücksspiel wohl noch Jahre auf sich warten lassen wird, stehen für das Steuerrecht bereits 2015 einige wichtige Entscheidungen bevor.

Natürlich sind die beiden Fälle Scharf und Vörtmann, die auf reges mediales Interesse stoßen, besonders beachtenswert und könnten den Ausschlag für einige Folgeklagen und Änderungen der Rechtslage geben. Werden die beiden Poker Profis tatsächlich verurteilt, Steuern auf Ihre Pokereinnahmen bezahlen zu müssen, wird also die Annahme des FG Kölns, das Texas Hold'em Poker ein Geschicklichkeitsspiel sei, unterstrichen. Dadurch wäre das staatliche Glücksspielmonopol im Bezug auf On- und Offline Poker anfechtbar. Außerdem dürften klarere Regelungen folgen, ab wann denn nun ein Spieler genau als Profi einzuordnen ist. Aktuell ist das noch Auslegungssache des jeweiligen Richters.

Die deutschen Poker Fans dürften also gespannt dem 16. September 2015 entgegenfiebern, wenn der Fall Eddy Scharf in München vor dem Bundesfinanzhof weiterverhandelt wird. Pokersites.com hält euch natürlich über die neuesten Entwicklungen in Sachen Pokern und Steuern auch in Zukunft auf dem Laufenden.